
Technologie kann entweder ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend verwendet oder vollkommen zweckentfremdet werden. Mit jeder neuen Entwicklung treffen wir eine neue Entscheidung. Spielen Sie auf der E-Gitarre einfach Akustikmusik, nur ein bisschen lauter? Oder verwenden Sie Verzerrungspedale und spielen mit Ihren Zähnen Gitarre? Dies sind wichtige Überlegungen. Die moderne Animation wurde Hals über Kopf in einen Fortschritt gestürzt, bei dem die verfügbare Technologie maximal ausgeschöpft werden soll, um mit dem Medium immer realistischere Ergebnisse zu erzielen. Wenn Animationen fotorealistisch sein können, wenn Garfields Haare leicht wogen, während er mit der Stimme von Bill Murray einen langen Seufzer ausstößt, dann soll das wohl so sein. Nun, nicht unbedingt. Immer mehr Künstler verwenden Animation „falsch“, wobei sie absichtlich die Technologie nicht voll ausnutzen oder ihre normale Verwendung entfremden, um ihre eigenen Visionen zu verfolgen. Ihr Garfield hat nicht einmal Haare, sondern große, klobige Pixel.
Kreateure animierter Videos wie das Duo Wyld File und die Künstler Michael Bell-Smith und Cory Arcangel nutzen die verfügbare Technologie nur sehr sparsam. Nicht etwa, weil sie minimalistische Arbeiten bevorzugen, sondern weil sie ihre Ideen mit schlichten Methoden effektiver umsetzen können. Indem sie mehr mit weniger erreichen, helfen diese Künstler, digitale Animation als Bereich künstlerischer Erkundung zu definieren und nicht nur als Produkt der neuesten digitalen Werkzeuge. Sie wählen die Elemente, die sie verwenden möchten, ganz penibel aus.
Abb. 1: „Standing in the Way of Control“, ein Video von Wyld File für The Gossip. „Wir hatten nur eine Woche für die Konzeptentwicklung, das Filmen und die Animation.“